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Hillenberg in Warstein

Das Jahr 2008 brachte für die Bergsteiger und Kletterer des Deutschen Alpenvereins und der IG Klettern die ersten größeren Erfolge bei der Umsetzung der Rahmenvereinbarung „Klettern und Naturschutz in NRW“. Der Landesverband NRW des Deutschen Alpenvereins und die IG Klettern NRW konnten mit Behörden und Eigentümern die erforderlichen Verträge für die folgenden fünf neuen Gebiete unterzeichnen:

Um diese Erfolge zu erreichen, waren umfangreiche Vorarbeiten und Verhandlungen auf allen Ebenen zu führen.

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Beginnen möchte ich mit den Verhandlungen, die es ermöglichten, dass aus der Initiative unserer Sektion ein DAV-Projekt von überregionaler Bedeutung wurde.

Bereits in 2007 hatte ich auf der Mitgliederversammlung des Landesverbandes NRW in Paderborn um Unterstützung geworben und unser Projekt präsentiert. Da der erforderliche Arbeitsaufwand ehrenamtlich nicht mehr zu leisten war, beantragte ich im Namen unserer Sektion die Einstellung eines hauptamtlichen Mitarbeiters beim Landesverband NRW für unser Projekt. In persönlichen Gesprächen konnte ich die Unterstützung vieler NRW Sektionen darunter Aachen, Beckum, Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Essen, Gummersbach, Köln, Siegburg, Siegerland, Paderborn und Wuppertal gewinnen. Am 26. Januar 2008 fand dann im Landschaftspark Duisburg, Duisburger Hütte, eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Landesverbandes NRW statt. Einziger Tagesordnungspunkt war die Einstellung eines hauptamtlichen Mitarbeiters zur Umsetzung der Rahmenvereinbarung. Vom Präsidium des Hauptvereins in München war Ludwig Wucherpfennig angereist, der signalisierte, dass sich dieser ebenfalls finanziell im Bereich der Förderung konkreter Projekte engagieren könne. Der Antrag auf Einstellung eines hauptamtlichen Mitarbeiters wurde von den Sektionen mit überwältigender Mehrheit angenommen.

Gleichzeitig wurde ein Strategiegespräch mit dem Hauptverein zur Erörterung weiterer notwendiger Schritte vereinbart. Dies fand am 11. März 2008 in Fulda statt. Dort wurde beschlossen, dass die Bergsportverbände in einer vollständigen Erfassung aller Felsbiotope des Sauerlandes sowohl deren naturschutzfachliche Sensibilität als auch ihre Eignung zum Klettern untersuchen sollten. Der Hauptverein München stellte entsprechende Fördermittel für das Jahr 2008 zur Verfügung.
Während der Hauptversammlung 2008 in Jena konnte ich dann mit Unterstützung des Landesverbandes NRW erreichen, dass für 2009 ein Antrag auf Anschlussförderung gestellt wird. So ist in diesem Jahr aus den ersten Initiativen in den Jahren 2005 und 2006 ein Projekt entstanden, dass die Unterstützung des gesamten Deutschen Alpenvereins und des Bundesverbandes IG Klettern genießt.
Auf dieser Basis entstehen nach Abschluss der auf ganz NRW ausgedehnten Felserfassung zur Zeit sogenannte Kommunal- und Kreis-Kletterkonzeptionen, die detailliert darstellen, unter welchen Bedingungen an bestimmten Felsen naturverträgliches Klettern ausgeübt werden kann.

Diese Konzeptionen werden in 2009 die Grundlage für Verhandlungen mit den Unteren Landschaftsbehörden der Kreise, mit den Gemeindebehörden, Eigentümern, Touristikern, Waldbauern, Jägern und Jagdpächtern bilden, um durch Einbinden möglichst aller Beteiligten zu tragfähigen Lösungen zu gelangen.

Die Neuausrichtung unserer Arbeit ergab sich dadurch, dass die Kreise und deren Behörden ebenso wie die Ministerien der Landesregierung von den Bergsportverbänden regionale Konzeptionen erwarteten, um nicht über jedes einzelne Felsareal verhandeln zu müssen. Bisher wurden nämlich für jedes einzelne Gebiet Verhandlungen mit den Städten und Gemeinden, den Unteren Landschaftsbehörden, den Eigentümern und allen weiteren Beteiligten geführt.

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"Hillenberg" in Warstein
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"Am Bähnchen" in Bestwig
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"Kapplerstein" in Aue/Wingeshausen
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Steinbruch Neuastenberg
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Borghauser Wand

In Warstein sind die Verhandlungen zum Klettergebiet Hillenberg abgeschlossen. Die Kletterkonzeption wurde von uns gemeinsam mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Soest erstellt und ist Teil des Vertrages mit der Stadt Warstein. Erste Routen wurden in der bis zu 55m hohen Wand bereits eingerichtet. Bis zum Frühjahr könnten etwa 15 – 20 Routen fertiggestellt sein. Die Stadt Warstein plant eine offizielle Eröffnungsfeier für das kommende Frühjahr 2009.

Das Kletterpotential im Warsteiner Raum ist jedoch noch weit größer. Dort könnte das zukünftige Kletterzentrum von NRW entstehen, wenn wir am Hillenberg beweisen, dass Klettern und Naturschutz sich nicht ausschließen. Unser Kletterwart, Heinz-Willi Hakenberg, koordiniert sämtliche Arbeiten (am Wandfuß liegender Müll muss noch entfernt werden, Freistellungsarbeiten sind noch durchzuführen, dann folgen Felssicherungs- und Routeneinrichtungsarbeiten).

In Bestwig haben wir die Verträge mit dem Eigentümer, Baron von Lüninck, unterzeichnet. Auch dort wurde unser Konzept von der Unteren Landschaftsbehörde des Hochsauerlandkreises akzeptiert. Erste Routen wurden bereits eingerichtet. Nun müssen im Winter ebenfalls Freistellungsarbeiten und Wegebau erfolgen, damit das im Grund des Steinbruchs liegende Feuchtbiotop beim Zugang zu den Kletterrouten nicht betreten wird. Außerdem ist am oberen Steinbruchrand von uns ein Sicherungszaun zu errichten, der verhindern soll, dass neugierige Wanderer von oben in den Steinbruch stürzen. Die DAV Sektion Dortmund wird für Bestwig die Felspatenschaft übernehmen.

Für Aue-Wingeshausen sind die Verhandlungen mit dem Besitzer, dem Haus Wittgenstein positiv verlaufen. Die Zustimmung der Unteren Landschaftsbehörde in Siegen liegt bereits vor. Im Frühjahr könnte dann auch dort mit den Arbeiten begonnen werden.

Der Steinbruch in Neuastenberg unterhalb des Biathlonstadions liegt im geschützten Landschaftsbereich. Bei einer Begehung mit der Unteren Landschaftsbehörde aus Meschede wurden umfangreiche Vorbereitungsarbeiten nicht nur genehmigt sondern vom gesetzlichen Umweltschutz, also der Unteren Landschaftsbehörde, befürwortet. Um felstypischen Kleinklimaten größere Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, wurden nach erfolgreichem Vertragsabschluss mit dem Besitzer, Herrn Jost Rossel, unter kostenlosem Einsatz der örtlichen Feuerwehr und mit Unterstützung der Touristiker und der Stadt Winterberg umfangreiche Vorarbeiten durchgeführt. Es wurden Bäume gefällt und Gesträuch entfernt, Erdreich am Wandfuß ausgebaggert und abgefahren. Im kommenden Frühjahr kann auch hier mit dem Einrichten von kleinen Kletterrouten begonnen werden.

Die Sektion Siegerland konnte die Verhandlungen für die Borghauser Wand im Lennetal erfolgreich abschließen und hat auch dort bereits einige neue Routen eingerichtet.

Noch im Winter 2008/2009 werden wir dem Kreis Soest die erste Kreiskonzeption vorlegen können. Zu Beginn des Frühjahrs wird die Kreiskonzeption für den Hochsauerlandkreis vorliegen, der dann die Konzeptionen für die Kreise Siegen-Wittgenstein, Olpe und Märkischer Kreis folgen werden.
Die wachsende Unterstützung von Seiten des Landes, der Bezirksregierungen, Kreise, Städte und Gemeinden, durch Umweltbehörden, den Deutschen Alpenverein und die IG Klettern nährt die Hoffnung, dass es in absehbarer Zukunft gelingen könnte, „vielfältige, attraktive und wohnortnahe Klettergebiete wieder zurückzugewinnen oder neu zu erschließen. Hierdurch werden weite Fahrten in entfernte Klettergebiete reduziert, was sicherlich neben vielen anderen positiven Aspekten aus ökologischer Sicht nicht unbedeutend wäre.

Auch der pädagogische Aspekt sollte nicht unterschätzt werden. Um jungen Menschen den Schutz und Erhalt der Natur zum eigenen Anliegen werden zu lassen, darf man sie nicht aus dieser aussperren. Johann Heinrich Pestalozzi formulierte vor mehr als einem Jahrhundert bereits die Bedeutung des Verstehen als ein „Begreifen“ und sprach von der „Intelligenz der Hand“. Nur durch reales Begreifen kann der Mensch Werthaltigkeit und Schutzwürdigkeit „erfassen“. Unser Ziel sollte es sein zu einem Miteinander – auch mit dem ehrenamtlichen Naturschutz – zu gelangen. Dies würde auch die „soziale Kontrolle“ fördern. Nur das, was einem wertvoll ist, wird man zu erhalten suchen. Deshalb dürfen wir den Abenteuer und Herausforderung suchenden jungen Menschen nicht aus der Natur aussperren. Andere Bundesländer wie z. B. Bayern, Niedersachsen, Sachsen oder Thüringen sind in der Umsetzung solcher Konzeptionen erheblich weiter. Es kann und darf nicht sein, dass wir deren Gebiete ständig aufsuchen, wenn der heimische Raum vielfältige Möglichkeiten bietet.

Paul H. Steinacker